Willigis Jäger

Der Auszug des Willigis Jäger
Ein Mönch geht seinen Weg

 Ein Film von Jörg Röttger

Für manche ist er ein einflussreicher Vermittler zwi­schen Christentum und Buddhismus, zwischen westlichem Gottesglauben und öst­licher Spiri­tua­lität, für andere ein gefährlicher Grenz­gänger, der den sicheren Boden katholischer Weltsicht längst verlassen hat. Der 79jährige Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger aus Würzburg ist einer der bekanntesten Meditationslehrer in Deutschland. Wo er vorträgt, strömen die Menschen zu Hunderten. Seine Kurse sind monatelang im Voraus ausgebucht – nicht nur hierzulande, auch in Frankreich, Italien und Spanien, in Ungarn oder Polen.

Pater Willigis ist ein moderner Mystiker. Sein Herzensanliegen ist, die christliche Tradition der Kontemplation (das abendländische Pendant zur Zen-Meditation) wieder lebendig zu machen. Der Mönch und Zen-Meister vermittelt Wege und Methoden, die zu tiefer spiritueller Erfahrung führen können. In seinen Büchern, Vorträgen und Kursen schildert der Pater, wie die mystische Erfahrung ein tieferes Verständnis der christlichen Religion ermöglicht und zugleich über die Grenzen der Konfession hinaus führen kann. Willigis Jäger versucht, zentrale christliche Glaubensüberzeugungen für Menschen von heute neu zu interpretieren. Er bezieht Erkenntnisse aus Psychologie und Physik ein und erreicht viele, die der Kirche längst den Rücken gekehrt oder ihr nie angehört haben.

Doch was viele berührt, stößt in Rom auf Widerstand. Nachdem die päpstliche Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger im Januar 2002 überraschend ein Rede-, Auftritts- und Publikationsverbot über den Benediktiner verhängte, gingen Hunderte von Protestschreiben beim Bischof von Würzburg und beim päpstlichen Nuntius in Deutschland ein. Einige Monate lang leistete Pater Willigis der Anordnung aus Rom Folge, dann erklärte er, dass er sich „um der Menschen willen, die er betreue“ nicht mehr daran halten werde. Für drei Jahre ließ sich der Pater aus seinem Orden beurlauben. Das von ihm gegründete und fast zwanzig Jahre lang geleitete Meditationszentrum Haus Benedikt in Würzburg musste er verlassen.

Inzwischen hat ein Unterstützerkreis aus langjährigen Schülern und Weggefährten eine neue Heimat für den Benediktiner geschaffen: Anfang März wurde der „Benediktushof“ im unterfränkischen Holzkirchen nach intensiven Renovierungs- und Umbauarbeiten offiziell eröffnet. Willigis Jäger führt seine Arbeit wie bisher fort – allerdings ohne seine priesterlichen Rechte. Die muss er während seiner Beurlaubung ruhen lassen.

Abt Fidelis Ruppert aus Münsterschwarzach bedauert den Schritt des Benediktiners. Er kritisiert, dass Pater Willigis zu wenig kompromissbereit und in seinen Schriften zu provozierend sei. Pfarrer Alfred Singer, der Weltanschauungsbeauftragte des Bistums Würzburg, meint, dass viele der theologischen Aussagen des Benediktiners nicht mehr mit dem christlichen Gottesbild übereinstimmen. Gleichwohl bedauert er, dass es bislang nicht zu wirklichen Gesprächen miteinander gekommen ist, dass die Fronten verhärtet sind.

Schon immer sind Mystiker in Konflikt mit der Kirche gekommen. Führt die mystische Erfahrung zwangsläufig in Auseinandersetzungen mit der Institution? Kann die Kirche sich leisten, einen ihrer erfahrensten und prominentesten spirituellen Lehrer mundtot zu machen? Gibt es noch Perspektiven, um den Konflikt beizulegen?  

Am Mittwoch, 31.3.2004
um 19:30 Uhr im
Programm des
Bayerischen Fernsehen

Eine 30 Minuten Kurzfassung dieses Films wurde am 16.11.2003 in der ARD unter dem Titel:
<Ein Mönch im Konflikt mit Rom - Der Auszug des Willigis Jäger> ausgestrahlt.

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